Anna

Ich sitze auf der rückwärtigen Veranda unseres Hauses, die auf den Strand ausgerichtet ist und lese ein Buch. Oder besser gesagt: Ich versuche eins zu lesen. Denn wann immer ich aufblicke, um hinunter zu den drei Figuren am Wasser zu schauen, vergesse ich in Gänze, was ich soeben gelesen habe.

Eine Nachbarin hat mir das Buch empfohlen, und in den letzten Tagen habe ich es immer mit nach draußen genommen, um den Schein zu wahren. Den Inhalt habe ich mittlerweile im Internet nachgelesen, falls sie herüberkommt, um mich zu fragen, wie ich das Buch finde.

Ich strecke meine Füße auf dem Hocker vor mir aus und das Fußkettchen an meinem linken Knöchel klimpert. Wie jedes Mal muss ich darüber lächeln. Sam hat mir über die Jahre hinweg so viele davon geschenkt – oftmals sind es Armbänder, aber das ist egal. Das ist unser Deal. Wenn er mir eines anlegt, bleibe ich im Haus. Mittlerweile gehört auch der Strandbereich für uns dazu. Ich kann damit leben und ihn beruhigt es.

Seitdem wir an diesem Strand uns das Ja-Wort gegeben haben, mit selbst geschriebenen Gelübden und Gott und Teufel als Zeugen, und er mir einen Ring anstecken konnte, ist er noch entspannter geworden.

Als schließlich landesweit über eine Razzia des FBI bei der Kirche der zweiten Abrechnung berichtet wurde, bei der die Führer der Sekte allesamt tot aufgefunden wurden, ließ Sams Nervosität deutlich nach. Die Kinder wurden alle der Obhut des Staates übergeben – wie ich dereinst – und in psychologische Betreuung. Joshuas erste Frau war mehr denn Willens, vor Gericht und vor aller Öffentlichkeit über die Gräueltaten ihres Mannes zu sprechen. Sam oder mich erwähnte sie mit keinem Wort.

Die anschließenden Dokumentationen über die Sekte haben wir nicht verfolgt, nachdem die erste klar machte, dass sie nie wirklich das totale Ausmaß der Verderbtheit von Joshua und seinen Söhnen – und, ja, auch meiner Mutter – werden darstellen können.

Wir leben in einer geschlossenen Siedlung in Kalifornien und unsere Nachbarn halten mich für eine reiche Erbin und ihn für den Geschäftsführer einer Security-Firma. Das ist sogar wahr.

Ich habe Sam darin bekräftigt, seine Kenntnisse in der Richtung zu seinem Job zu machen. So kann er sein obsessives Verhalten zu etwas gutem Verwandeln und die Leute hier halten ihn nicht für einen Ehemann, der seine Frau kontrolliert.

Natürlich tut Sam das weiterhin. Ich trage einen Tracking-Chip in meinem Körper, aber ich habe ihn verboten, unseren Kindern einen einzupflanzen. Im Gegenzug nähe ich sie ihnen in ihre Kleidung ein.

Ich kann mich noch sehr gut an den Tag erinnern, als ich erfuhr, dass ich schwanger bin, an die Angst, dass er mich dazu drängen könnte, abzutreiben. Sam wollte mich mit niemandem teilen und ich befürchtete, dass dies Kinder miteinbezog, weshalb ich heimlich die Pille nahm. Deswegen fiel es mir auch schwer, zu begreifen, wie das hatte passieren können.

Die Antwort war offensichtlich gewesen: Er hatte die Pillen ohne mein Wissen ausgetauscht. Es war eine weitere Sache, die ich ihm beibringen musste, dass sie übergriffig war. Nur alles, was er aus dem Gespräch entnahm, war, dass ich endlich, wirklich, für immer mit ihm verbunden war – über ein Kind.

Ich glaube, ich werde ihn nie wirklich gänzlich verstehen, vermutlich, weil er sich selbst nie voll und ganz begreifen wird.

Sams größte Sorge war, dass unser Kind ein Junge wird, und das konnte ich sogar nachvollziehen. Er hatte keine Ahnung, wie er ihn lieben sollte, wenn alles, was er zu lieben gelernt hatte, ich war.

Sarah Mays Geburt hat ihn verändert. Ich würde sogar so weit gehen, dass es ihn ein Stück weit geheilt hat. Wir nannten unsere Tochter nach unseren Großmüttern und sie ist so unschuldig und strahlend, wie es nur Kinder sein können.

Es stand nie außer Frage, dass sie ein Geschwister braucht, aber als es schon zwei Jahre später so war, packte Sam die gleiche Angst, wie bei meiner ersten Schwangerschaft. TJ – Thomas Jeremy, wieder nach unseren Großvätern benannt – stellte Sam vor einer großen Herausforderung, und zwar ungefähr so lange, bis er ihn in seinen Armen hielt.

Ich kann nur vermuten, was in Sams Kopf vor sich ging, als er seinen Sohn das erste Mal sah. Gott weiß, dass sich tausende Emotionen auf seinem Gesicht die Hand reichten. Ich glaube, dass Sam in dem Moment als TJ das erste Mal auf diese zuckersüße Art lachte, beschloss, dass er alles besser machen würde.

Jetzt sehe ich ihm dabei zu, wie er mit seinen beiden Kindern am Strand Godzilla spielt, das heißt, sie bauen Sandburgen und zertrampeln sie anschließend laut grölend. Ihr Lachen hallt dabei meilenweit.

Sam ist genausoweit davon entfernt geheilt zu werden, wie ich. Wir werden nie normal sein und das müssen wir auch nicht. Ich liebe es nach wie vor, wenn er mich fesselt, seine Hände um meinen Hals legt und zudrückt. Wenn er mir sagt, was ich für ein böses Mädchen bin, weil ich ihm eine Kakerlake unter seinen Frühstückshaferbrei gemischt habe.

Ich bin die unartige, verdorbene Ehefrau, wenn er es braucht. Manchmal besuche ich die Nachbarn, obwohl ich ein Fußkettchen trage. Dann bin ich den Rest des Tages klitschnass, weil ich weiß, dass Sam wutentbrannt nach Hause kommt und es ihn alle Kraft kostet, mich nicht sofort über seinen Schoß zu legen und mir den Hintern zu versohlen, oder mich in den Arsch zu ficken, weil es so köstlich weh tut.

Dann genieße ich es, ihn zu triezen, während wir für unsere Kinder die liebevollen Eltern spielen. Manchmal heiße ich ihn nackt und masturbierend im Schlafzimmer willkommen, nachdem er die Kinder ins Bett gebracht hat.

Ich liebe es, wenn er mir seinen Schwanz verweigert und mich zuerst in den Arsch fickt, bis ich nicht mehr klar denken kann. Noch mehr vergöttere ich es, wenn er mich im Anschluss anbetet und mich zuerst mit seiner Zunge, dann mit seinen Fingern und anschließend mit seinem teuflischen Schwanz kommen lässt.

Beim Gedanken daran, kann ich nicht anders, als zu überlegen, wie ich meinen Ehemann wieder ins Schlafzimmer locken kann. Ich glaube, ich werde niemals genug von ihm haben. Und ich weiß, dass er sich bis zu seinem Tod in mir vergraben möchte.

Ich muss nur an unsere Zweisamkeit in unserem Schlafzimmer denken, von dem unsere Kinder wissen, dass sie sie nicht stören dürfen.

Verzückt seufzend lege ich eine Hand auf meinen Bauch.

Sarah ist jetzt acht und TJ sechs. Ich frage mich wie die beiden und ihr Daddy wohl darauf reagieren werden, dass bald ein drittes Geschwister auf die Welt kommt.

Ich weiß, dass sie sich freuen werden. Und wenn es nach Sam geht, bekommt er ohnehin nicht genug davon, Zeuge dessen zu werden, was sein Samen mit mir macht. Ich glaube, er bekommt nicht genug davon, mich schwanger zu sehen.

 

Ende